2001 Loire

Loire 2001 - Kajaktour von Nevers nach Gien
Vorbereitungen…
Im Jahr 2001 konnten wir keinen längeren Urlaub nehmen. Zwei Wochen mussten genügen und so suchten wir nach einem geeignetem Ziel. Nach kürzerer Diskussion kamen wir auf die Loire. Den Termin legten wir aus geschäftlichen Gründen auf Ende September - sollte ja kein Problem sein, schliesslich war es ja bei früheren Frankreichreisen immer warm :-)
Vor der Reise konnten wir nochmal bei Gerd in Freiburg vorbeischauen, wo wir unsere Ausrüstung mal wieder erweiterten:
- Kajakschuhe für Hage
- Neoprenshorts für Sibylle
- Einen Pelikoffer als nachträgliches Geburtstagsgeschenk für Hage
- diverse Karten und Bücher
Leider hatte er nicht den DKV Auslandsführer Band6 für Frankreich da.
Tag1: Anreise 8.September 2001
Am Samstag gings dann endlich los. Wir fuhren über Neuenburg und Besancon nach Nevers. Dieser Camping war uns von Freunden als Startpunkt empfohlen worden. Wir kamen leider sehr spät an, so dass wir erst im dunkeln nach dem Zeltplatz suchen mussten. Der Zeltplatz lag direkt an der Brücke über die Loire. Schnell stellten wir das Zelt auf und gönnten uns ein erstes Abendessen in Frankreich.
Nevers camping
Tag 2: Akklimatisierung Sonntag, 9.9.2001
Wir machten einen Tag Ruhepause, an dem wir Einkaufen gingen und uns Informationsmaterial besorgten. Bei der Touristeninformation holten wir uns Karten für die folgenden Flussabschnitte. Tag 3: Jetzt geht´s los; Montag 10.9.2001 Am darauf folgenden Tag fuhren wir mit dem Auto über die Brücke um dort einzuwassern, da wir uns nicht über die Stufe trauten. Nach rund zwei Jahren hatten wir endlich alles in die Kajaks verstaut :-) Dann wurde das Auto wieder auf dem Campingplatz abgestellt (bewacht), zurück über die Brücke gehetzt und los gings. Gemütlich paddelten wir die langsam dahin strömende Loire hinab. Vorbei ging es an Fourchambault Richtung Germigny-sur-Loire. Vor diesem kleinen örtchen fanden wir unsere erste Loire-Insel. Ich musste natürlich gleich am ersten Abend ein Lagerfeuer entfachen, das zwar schön war, aber auch zur Folge hatte, dass unsere Kleider für den der Rest der Tour nach Rauch stanken. An diesem Abend machten wir Ravioli aus der Dose.

Nevers start der Tour
Tag 4: Wer’s nicht im Kopf hat, muss halt nochmals zurück ; Dienstag 11.9.2001
Nach einer kühlen Nacht wachten wir früh auf, und frühstückten gemütlich. Bei uns gibt es dabei typischerweise Brot und Marmelade, Nutella und Capuccino. Leider hatten wir in Nevers noch etwas Wichtiges vergessen. Deshalb trampte ich nochmals zurück nach Nevers um diese Kleinigkeit zu holen. Ein angenehmer Nebeneffekt war, dass ich noch etwas Frisches einkaufen konnte, was vorher wegen der späten Ankunft am Samstag nicht geklappt hatte. So gab es an diesem Abend süß-saure Soße mit Geschnetzeltem und Rösti.
Zelten am Strand
Tag 5: Mittwoch, 12. 9. 2001
Trotz teilweiser dunkler Wolken gings weiter und nach einem Capuccino sah’s schon gar nicht mehr so schlecht aus. Wir passierten Germingy-sur-Loire und La Marche.
Bei der Ankunft in La Charite-sur-Loire wurde uns mal wieder der tiefe Wasserstand bewusst. Wir landeten auf einer grossen Sandbank an und stiegen aus, um uns die Beine zu vertreten, einen Kaffe zu trinken, das Dorf und die Brücke zu besichtigen.
Wir besichtigten das Kloster aber fanden wegen der Mittagszeit mal wieder alles recht verschlafen und geschlossen vor. Ein nettes Cafe konnten wir auch nicht erspähen und so schauten wir uns die Brücke an. Oh wir armen seenverwöhnten Flachwasserfahrer. Der dritte Bogen von rechts sollte fahrbar sein. Aber was da in einem Schwall auf die folgenden Steine zudonnerte war uns zu gefährlich. Also schnell die Kajaks angeleint und rechts runtertreideln lassen. Während dieser Aktion kamen dann eine Jugendgruppe einer Kajakschule vorbei, deren Kids (meist) locker durch den Schwall fuhren und danach in den Wellen spielten. Naja sie hatten auch nur 1/3 solange Boote wie wir, Helme und kein Gepäck. Dennoch fragt man sich hinterher immer ob’s so schlimm gewesen wäre wie man es sich vorstellte-aber andererseits luden die Temeperaturen auch nicht zu einem (un)freiwilligen Bad ein…
Kurz befor wir wieder einwasserten, sahen wir dann noch, dass ein Faltkajak auch auf der Sandbank angelandet war, aber der Besitzer war schon verschwunden…
Weil der Kaffee ausgefallen war legten wir an einer Insel an, machten einen Capuccino und assen eine Kleinigkeit. Da ein paar Sonnenstrahlen herauskamen sonnten wir uns noch ein bisschen und ruhten uns aus.
Wir fuhren gemütlich weiter und sahen dann zum ersten mal so etwas wie ein Schloss auftauchen: das Chateau de Mouron.
Dann rafften wir uns wieder auf, fuhren noch ein paar Kilometer und schlugen unser Lager auf.
Tag 6: Donnerstag, 13. 9. 2001
Nach dem morgendlichen Frühstück packten wir zusammen. Kurz befor wir fertig waren, kam das Faltkajak zu Besuch. Der Besitzer war sehr, sehr mitteilsam, auch wenn wir nie den Namen erfuhren, kannten wir doch in Kürze die Eckdaten seines Lebenslaufes. Er fuhr dann weiter und wir hatten auch bald unser Geraffel zusammen und es ging weiter. Das Wetter wurde immer schlechter, kalt und regnerisch.
Wir passierten Pouilly sur Loire inzwischen vollvermummt mit Kajakjacke. Bald darauf trafen wir den Faltkajakfahrer wieder, und wir bekamen weitere Ausführungen über 36 Ehejahre zu hören.
Da wir uns nach einer warmen Dusche sehnten hatten wir beschlossen die nächsten Campingplätze auszukundschaften. Bei Cosne sur Loire steuerten wir deshalb das linke Ufer an, worauf sich ‘36 Jahr’ schnell verabschiedete und weiterfuhr.
Die Anlegestelle für den Campingplatz war eine Katastrophe, es ging eine steile Böschung hoch und oben bei der Rezeption war keiner zu sehen. Nach kurzer Besichtigung verwarfen wir also diese Idee und fuhren stattdessen nach Cosne auf die andere Flusseite. In Cosne suchten wir als erstes ein Cafe und fanden glücklicherweise eine Creperie, in der wir Crepe assen und uns eine heisse Schokolade schmecken liessen.
Dann bekamen wir ein bisschen Einblick in den französischen ‘Kantönligeist’ sprich Departementsgeist. Beim Tourist-Office ist natürlich Nichts und schon gar keine Karten für die folgenden Flussabschnitte zu bekommen. Schade eigentlich, da unsere (guten) Karten vom Gebiet Nievre leider bald enden. Nachdem wir losfuhren setzte bald wieder heftiger Regen ein. Auf den Karten sahen wir eine Ausstiegsstelle nahe Myenne auf der rechten Flussseite, die wir erkundeten. Der Platz war auch nicht so schlecht, eine Art Picknickplatz mit Bänken und Grill unter stabilen Bäumen, aber leider auch durchgehend grob geschottert, so dass Zelten nicht in Frage kam. Bald darauf fand Sibylle eine Stelle wo wir anlandeten und wir auch einen einigermassen geschützten Platz fanden. Diesmal wurde besonders gut besichtigt, da wir von Finnland schon Erfahrungen mit schlechtem Wetter hatten: Windschutz, Möglichkeit das Tarp gut abzuspannen und vor allem Keine Kuhle da wo das Zelt stehen sollte. Unter solchen Bedingungen ist der Adrenalinspiegel meistens etwas höher als üblich, was sich in einer Rekordzeit fürs Zeltaufstellen niederspiegelte. Es lockte schliesslich auch der warme Schlafsack und die Hoffnung auf etwas Warmes. Immerhin hatte gerade zu dieser Zeit der Regen aufgehört und es windete nur stark. Gekocht wurde ausserhalb des Zeltes, aber wir assen drinnen.
Bei unseren bisherigen Touren hatten wir meist nicht soviel Möglichkeiten zum Einkaufen, und wir mussten uns erstmal mit unseren Menus auf die neue Freiheit einstellen. So gab es an diesem Abend einen Eintopf. Wir hatten Tomaten, Kartoffeln, Zucchini und Dosenwürstchen eingekauft, was jetzt alles zusammengewürfelt mit Brühe gekocht wurde. Das kam bei der Witterungslage gerade recht. Die Nacht war gelinde gesagt aufregend. Eine Windböe nach der anderen zerrte am Zelt, und ich schlug noch ein paar Heringe in das Tarp. Etliche Regenschauer prasselten nieder, aber man konnte auch schon die Lichter des nahen Kernkraftwerkes von Neuvy-sur-Loire sehen.
Tag 7: Freitag, 14. 9. 20001
Nicht besonders ausgeruht erwachten bzw. dösten wir dem Tagesanbruch entgegen. Am Morgen war das Wetter immer noch schlecht und irgendwann beschlossen wir dazubleiben. Immerhin war der Platz gut und es reizte uns gar nicht alles nass einzupacken und in den Regen zu starten. Natürlich wurde daraufhin das Wetter besser, wobei nie so gut wie wir es uns erhofft hatten. Insgesamt war es doch einige Grade kühler als wir befürchtet hatten.
Wir nutzten die Zeit um ein bisschen zu laufen, fotografieren und - weil wir ausnahmsweise ein Netz hatten- das Handy einzuschalten. Eine kryptische Meldung von meinen Eltern, was wir denn zu den Anschlägen in Amerika sagen würden, brachte uns dazu Sibylles Mutter und meine Eltern anzurufen. Wir hatten ja keine Ahnung gehabt was am 11.09.2001 passiert war. Diese Nachrichten schockten uns schwer und wir konnten kaum fassen, was da passiert war.
Tag 8: Samstag, 15. 9. 2001
Am nächsten Tag nahmen wir uns wieder zusammen und los ging es. Das Kernkraftwerk schien zwar nahe zu sein, aber es zog sich doch länger hin als wir dachten. Die auf unserer Karte eingezeichneten Abzweige konnten nicht befahren werden, ausser wir hätten den Bootswagen montiert. Doch dann kam ein weiterer, mit einem Schild bezeichnetem Seitenarm, dem wir folgten. Hier hatte eindeutig ein Bagger aus der Sandbank diese Fahrrinne ausgehoben.
Dann kam das Schild, das einen zum Ausstieg bewegen sollte, aber da wir in einem Buch gelesen hatten, dass die eigentliche Ausstiegstelle noch in einiger Entfernung weiter liegen sollte besichtigten wir das Ganze erstmal. Nachdem wir an der Strasse ca. 1km gelaufen waren, sahen wir eine mögliche Ausstigstelle, und so lief ich zurück um beide Kajaks dorthinzufahren und Sibylle lief weiter um weiter auszukundschaften. Als ich dann am vereinbarten Treffpunkt ankam, kam sie auch schon und berichtete, dass direkt vor dem Wehr eine 1A Austiegstelle sei und so fuhren wir dann noch ein paar hundert Meter bis zu dieser Stelle (grüner Teppich !!!). Es ist wirklich schade, dass das nicht besser beschildert wird. Logischerweise ist man eher vorsichtig wenn man in die Nähe so eines Ungetüms von Kraftwerk kommt. Immerhin entschädigte die gut angelegte Umtragestelle für diesen ärger: der grüne Teppich ist extra fürs Bootsschleifen dort angebracht, und das ging so gut, dass wir keinen Bootswagen montieren mussten.
Wir landeten kurz an, fragten einen Fussgänger, wo denn der Campingplatz sei und wurden weiter den Fluss runter verwiesen. Auch dieser Camping ist nicht leicht für Kajakfahrer erreichbar. Es geht eine kurze Böschung hinauf über eine kleine Wiese, über die Strasse und schon ist man da :-). Naja wenigstens war hier jemand an der Anmeldung und - in einem Korb lagen ein paar süsse Stücke parat - na da konnten wir uns noch kurz stärken, bevor es daran ging das Lager aufzuschlagen. Wir holten die Kajaks auf den Campingplatz, weil es einfacher war mit dem Bootswagen das gesamte Kajak zu transportieren, als alle Einzelteile aus dem Kajak herauszukramen. Nachdem das Zelt aufgebaut war, ging es unter die Dusche - herrlich endlich wieder warmes Wasser zu spüren.
Danach machten wir uns auf Richtung Dorf und besichtigten bei einbrechender Dämmerung das Dorf und insbesondere die Brücke, die wirklich einen genaueren Blick lohnt. Dann gingen wir ins Dorf, da unser Magen langsam brummelte. Nach einem hin-und her hatten wir unser Wunschlokal gefunden, aber konnten wir uns da rein trauen ? Wir gingen mutig die Stufen hinunter in den Gewölbekeller des ‘Au Petit Tonneau’. Zwar verweigerte der Kellner uns erstmal einen Tisch, aber wahrscheinlich machten wir so einen entäuschten Eindruck, dass er dann doch von einem anderen Tisch das reservee Schild entfernte und uns als Gäste annahm. Und das hatte sich wirklich gelohnt, wir dankten indem wir beide eher teure Menus nahmen, aber das Lokal ist sicher ein Geheimtip. Es war wirklich ein Genuss, was das Küchenteam hervorbrachte. Und das Ambiente des Restaurants ist wirklich super.
Tag 9: Sonntag, 16. 9. 2001
Am nächsten Tag ging das Mühsal in die andere Richtung, d.h. die Kajaks zurück zum Fluss bringen. Es war wieder sehr kalt und düster. Kurz vor Gien habe ich es dann endlich geschafft einen Eisvogel zu fotografieren (sorry Film ist noch nicht entwickelt). Es war nur ein kurzes Stück nach Gien, dennoch suchten wir auch hier den Campingplatz auf.
In Gien war es nicht so schwierig auf den Campingplatz zu kommen: es gab eine gute Anlandemöglichkeit, wo wir leicht mit dem Bootswagen auf etwas höheres Gelände fahren konnten.
Nach dem Anmelden, Zelt aufbauen und einer heissen Dusche, gingen wir nach Gien und tranken in einer Motorradfahrerkneipe einen ausgezeichneten Cafe au Lait.
Zum Abendessen machten wir uns nur Ravioli, weil wir noch voll vom Vortag waren.
Die Nacht war wieder kalt und regnerisch.
Tag 10: Montag, 17. 9. 2001
An diesem Montag beschlossen wir die Tour zu beenden. Das Wetter war einfach zu schlecht geworden. Es war keine leichte Entscheidung, aber wir mussten einsehen, dass wir uns auf diese Verhältnisse nicht eingestellt hatten. Wir liefen zum Bahnhof und verpassten dort einen Zug nach Nevers um 10 Minuten. Dann sahen wir, dass der nächste Zug erst 3h später fahren sollte. Das war umso bitterer, weil kein Bus ins Dorf fuhr und der Fussweg ca. eine 3/4 Stunde gedauert hatte. Nach einigem hin- und her nahmen wir ein Taxi ins Dorf und vereinbarten mit dem Fahrer auch gleich den Rückfahrtstermin. Wir kauften zwei Zeitungen, gingen in ein Restaurant, assen eine Kleinigkeit zu Mittag, spielten noch ein wenig Billard und lasen die neuesten Nachrichten.
Dann fuhren wir mit dem Taxi zum Bahnhof und weiter mit dem Zug nach Nevers. Teilweise konnten wir dabei die Loire fliessen sehen und dabei unsere Lagerplätze einordnen. In Nevers gingen wir rasch zum Campingplatz und lösten unser Auto ein. Wir hatten uns vorher schon überlegt, dass wir noch nach Sully fahren würden, wenn es die Zeit und das Wetter zulassen würde, um wenigsten ein Loire-Schloss zu sehen. Wir erreichten dieses Schloss noch in den letzten Sonnenstrahlen und liefen ein bisschen im Park umher. Es ist wirklich eine beeindurckende Manifestation von Wehrhaftigkeit und gleichzeitig Schönheit in diesem Schloss. Wir besichtigten auch gleich mal für zukünftige Fahrten den nahgelegenen Campingplatz. Danach ging es zurück nach Gien.
Tag 11: Dienstag, 18. 9. 2001
Ging es wieder zurück. Fazit Es war ein schöner Urlaub, aber das Wetter hat nicht mitgespielt. Wir werden uns die Loire für einen weiteren Urlaub vormerken. Es wäre doch sicherlich mal wirklich schön, wenn man bei lauen 20 Grad auf einer Insel sein Feuerchen entfachen könnte statt bei 13 Grad.
